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Aus der Familienchronik  (übersetzt von Gerhard Scherber)

Z

u  Beginn ein Blick in die Familienchronik. Josef Ginzels Vater, Václav Ginzl, hat sie kurz vor seinem Tod, am 27. Januar 1963, niedergeschrieben. Hier einige Ausschnitte: Unsere Großmutter, Ginzlová, lehrte uns, meiner Schwester und mir, in der Kinderzeit alte Lieder und Tänze. Durch einen Schlaganfall behindert konnte sie uns die Tänze nicht vorführen sondern nur vorsingen und erklären. Unter anderem waren dies: „Unser Vater ging Pilze suchen...“ „Pepi ging aufs Eis“, „Warte, ich werde es sagen“, „Annerl ging Kraut holen“, „Hopsa, Oma“, „Als ich ein junger Hase war“.

Hynek Víšek, ein neuer Lehrer kam in die Schule nach Brezovice. Als ich 9 Jahre war,  nahm ich bei ihm Musikunterricht (Violine und Gesang). Mit meiner Altstimme sang ich in der Kirche und bei Begräbnissen. In Bezdev, wo ich die deutsche Sprache lernte, setzte ich den Musik- und Gesangsunterricht fort. Oberlehrer Fouke unterrichtete mich dort. Als ihn mein Vater fragte, was er bezahlen wird, antwortete er: „Nichts! Er wird bei mir gratis in der Kirche und bei Begräbnissen singen und dafür werde ich ihn gratis unterrichten.“

Nachdem ich die Schule beendet hatte, kehrte ich aus Bendez zurück nach Hause. Ich beschäftigte mich in der Landwirtschaft und nebenher machte ich weiterhin Musik. Mein Vater hat mir dann ein Bassflügelhorn gekauft und ich lernte in Belá bei Kapellmeister Antonin Sandholz damit zu spielen. Bereits nach einem Jahr konnte ich in seiner Kapelle musizieren. Das war im Jahr 1891. 1895 meldete ich mich freiwillig zum Militärdienst und spielte dort bei der Musikkapelle. Ich war gerade mal 18 Jahre. In den drei Jahren der Militärzeit lernte ich auch Violoncello spielen.

Am 2. Dezember 1912 wurde unser Sohn Josef geboren und am 2. Juli 1914 starb er. Im Jahre 1918, am 16. Januar, ist unser zweiter Sohn Václav geboren, der dritte Sohn Josef wurde am 11. April 1919 geboren. Unsere Tochter Marie ist am 22. Juni 1922 geboren. Im Jahre 1924 begann die Schulzeit für Václav, 1925 folgte Josef und schließlich 1928 Marie.

Um die deutsche Sprache zu erlernen wechselte Josef im Jahre 1931 in die Schule nach Tachov. Dort lernte er bei Herrn Gütler, Organist in Doksy, Violine und Piano spielen. In Doksy habe ich von einem Gastwirt ein älteres, aber gut erhaltenes Piano gekauft.

Der Erzbischof Pribyl aus Bezdedice bat mich einmal, doch einen meiner Söhne das Orgelspiel erlernen zu lassen, damit Ersatz da wäre, wenn der seitherige Organist, Herr Oberlehrer Visek, in den Ruhestand versetzt wird. Mein Sohn Josef erklärte sich dazu bereit, und  hat sich dieser Tätigkeit erfolgreich gewidmet. Im Jahre 1933 trat er diese Stelle an. In diesem Jahr war auch Firmung in Bezdedice und der Bischof fragte, wo der Organist sei. Der Kirchendiener zeigte auf Josef. Da wir vor der Kirche standen, stellte ich Josef als den jüngstenist in ganz Böhmen sein.“ Danach gab er Josef Instruktionen was er bei der Firmung spielen solle.n Organisten im Jungbunzlauer Bezirk vor, denn er war damals erst 14 Jahre alt. Der Bischof sagte: „Ich denke, das muß der jüngste Orga

 

Interessieren Sie sich,  werden wir dieses auf deutsch für Sie weiter nachforschen und übersetzen  ...

Der jüngste Organist

ich, Josef Ginzl, besuchte die Schule in Brezovice wo  mich Oberlehrer Herr Holman unterrichtete. Herr Oberlehrer Visek, der als Pensionär im alten Teil der Schule wohnte, lehrte mich Violine spielen. Trotzdem er im Ruhestand war, spielte er die Orgel in der Kirche in Bezdedice. Er mußte dorthin, immerhin vier Kilometer, zu Fuß gehen, was für ihn sehr beschwerlich war. Aus diesem Grunde beschlossen der Herr Erzbischof Pribyl und mein Vater mich als künftigem Organisten das Klavierspiel erlernen zu lassen. Das war somit beschlossen. Mein Vater machte sich mit mir auf den Weg über den Wald nach Belá pod Bezdezem zu Herrn Professor Vaclav Snor. Der spielte damals die Orgel in der Kirche von Belá. Mein Vater erklärte den Wunsch des Erzbischofs mich im Klavierspiel zu unterrichten und später auch noch im Orgelspiel. Damals war ich kaum 14 Jahre alt.

Als Organist in Bezdedice war es aber notwendig auch die deutsche Sprache zu beherrschen, denn abwechselnd wurde in der Kirche an einem Wochenende deutsch und am nächsten tschechisch gesungen und gespielt. Aus diesem Grund beschlossen meine Eltern, daß ich Deutsch lernen mußte. Sie schickten mich in die Schule nach Tachov bei Doksy. Im Gegenzug besuchte die Tochter von Frau Zimmerhackel die tschechische Schule in Brezovice und wohnte bei meinen Eltern. In Tachov lernte ich weiterhin das Klavier- und Violinespiel. Jeden Donnerstag hatte ich Unterricht bei Herrn Professor Gütler in Doksy.

ich Josef als den jüngsten Organisten im Jungbunzlauer Bezirk vor, denn er war damals erst 14 Jahre alt. Der Bischof sagte: „Ich denke, das muß der jüngste Organist in ganz Böhmen sein.“ Danach gab er Josef Instruktionen was er bei der Firmung spielen solle.

Im weiteren war ich auch zum Tausch in Kurivody. Dort besuchte ich die Bürgerschule und wohnte beim Organisten Herrn Röhling. Seine Tochter besuchte wiederum im Tausch die tschechische Schule in Brezovice. Mein deutscher „Vater“ der Organist Röhling, verbesserte sein Gehalt indem er auch in einer Musikkapelle spielte. Eines Tages sagte er: „Josef, du mußt mich vertreten. Du mußt die Maiandacht in der Kirche spielen.“ Die Noten für die Lieder, die dabei zu spielen waren, schrieb er auf und ich mußte sie lernen. Und der Sonntag kam. Abends ging ich zusammen mit meiner deutschen „Mutter“ und deren zehnjährigem Sohn in die Kirche. Die Kirche war voll und bei der Orgel stand der gesamte Sängerchor. Es gelang mit gut zu spielen. Aber dann kam das Gebet, wo der Pfarrer singt und die Orgel mit Gesang mußte antworten. Der Pfarrer sang, aber die Orgel antwortete nicht. Nur der kleine Sohn des Organisten sang laut die Antworten allein. Am Schluß als wir in die Sakristei gingen um dem Pfarrer den Schlüssel vom Chor abzugeben, sagte er zur Mutter: „Der Gesang war sehr schön, aber warum war das bei den Antworten nicht auch der Fall? Was ist geschehen?“ „Herr Pfarrer, das war der Fehler unseres Vaters, daß die Orgel schwieg. Er war heute nicht da. Er mußte bei seinem Nebenverdienst spielen, wissen Sie, er verdient so wenig Geld.“ antwortete sie. „Und wer spielte also heute?“ – „Na, unser tschechischer Bub.“  Der Pfarrer staunte darüber und sagt zu mir: „Du kannst so schön spielen? Du bist brav. Wenn dein Vater wieder seinem Nebenverdienst nachgeht, dann wirst du wieder für uns spielen, nicht wahr?“ 

Während meiner Kinderzeit lernte ich auch die Handtrommel spielen. Dazu mußte ich mit dem Fahrrad von Brezovice nach Kurivody zu Herrn Max fahren, er war ein alter Regimentstambour. Eines Tages, als ich wieder zum Unterricht zu ihm kam, lag er krank im Bett, trotzdem aber konnte er mich diese Stunde unterrichten. Dabei sagte er zu mir: „Du kannst am Sonntag kommen, da findet hier ein großer katholischer Tag statt. Die Blaskapelle führt da die einzelnen Korporationen in die Kirche. Ich führte normaler Weise die Korporationen aus dem anderen Stadtteil und aus den umliegenden Dörfern mit der Handtrommel zur Kirche. Dort versammelten sich alle und bei der Orgel war auch das ganze Orchester. Aber nun kann ich meine Gruppen nicht führen und so sollst du dies für mich tun!“

Am Sonntag ging ich nach Kurivody. Herr Max sagte zu mir: „Niemand weiß, daß ich erkrankt bin.“ Er besorgte mir eine Handtrommel und erklärte mir, was ich zu tun hatte. Zuerst sollte ich eine Korporation zu dem Sammelplatz führen, dann die zweite und dritte und endlich alle zusammen in die Kirche. An dem bestimmten Platz angekommen wurde ich gefragt, wo Herr Max sei. Ich antwortete: „Er ist krank und ich vertrete ihn.“ Und nach Plan habe ich alle angeführt. Ich trommelte den Marsch wie es mich Herr Max gelehrt hatte. Als wir an der Kirche ankamen, glaubten die Musiker nicht, daß ich den ganzen Weg getrommelt habe, denn die Märsche die ich auf der Handtrommel den ganzen Weg über getrommelt hatte, kannte ja nur Herr Max. Am meisten war der Kapellmeister erfreut, daß er nun einen jungen Ersatzmann für Herrn Max hatte. Nach der Feier in der Kirche durfte ich mit den Musikanten in die Wirtschaft und dort wurde ich sehr gut bewirtet.

Nach Beendigung meiner Schulzeit half ich zu Hause meinem Vater in der kleinen Wirtschaft. Eines Tages kam ein Telegramm aus Kurivody, und mir wurde mitgeteilt, daß Herr Max gestorben sei und daß ich zum Begräbnis kommen solle um als Trommler in der Blaskapelle zu spielen. Ich sollte mich beim Kapellmeister Herrn Keiser melden. Mit dem Fahrrad fuhr ich die 30 Kilometer und tröstete mich dabei, daß ich ja meinem Lehrer auf dem letzten Weg mit seinem Musikinstrument spielen sollte. Meine Cousine Mana Lauermannova aus der Mühle Hlucov begleitet mich.

Der Kapellmeister begrüßte mich mit meiner Handtrommel und die Musikanten waren froh, daß ich gekommen bin um die Kapelle zu vervollständigen. Nun habe ich endlich begriffen, warum mich Herr Max lehrte auf der Handtrommel Trauermärsche zu schlagen. Auf dem Kirchhof trafen viele Leute zusammen, es gab viele Ansprachen in denen Herr Max gewürdigte wurde wegen seiner menschlichen Bereitwilligkeit und vor allem was er für die Stadt getan hatte. Nach den Ansprachen hat mich der Kapellmeister aufgerufen mit ihm vorzutreten. Wir gingen zum Sarg wo er eine Ansprache hielt und sagte: „Ich verabschiede mich von dir, Max, als Kapellmeister im Namen aller Musikanten, aber auch für deinen Schüler Josef, dem du die Handtrommel zu schlagen beigebracht hast, er kam von weit her um sich vor dir zu verbeugen für deine Bereitwilligkeit und Opferbereitschaft. Du hast für dich einen Ersatzmann erzogen ­– einen Musikanten.“

Nach damaligem Brauch ging man nach dem Begräbnis in das Restaurant. Die Musiker wollten mich überzeugen bei ihnen in Kurivody zu bleiben. Sie wollten für mich sorgen. Ich konnte aber nur antworten, daß ich mir das überlegen wolle. Mehrmals fuhr ich noch dorthin um auszuhelfen. Auch der Organist Röhling, bei dem ich wohnte als ich in der Schule Deutsch lernte, ist gestorben. Bei seinem Begräbnis spielte ich als Organist auf der Orgel in Bezdedice, aber nicht nur auf der Orgel sondern auch mit der Handtrommel in Keisers Kapelle. Die Seele eines Musikanten hat eine große Spannweite: sie spielt vor Freude, wenn Leute auf die Welt kommen, und begleitet sie mit Trauermusik auf dem letzten Weg.

Mein Musiklehrer Herr Visek aus Bezdedice ist verstorben als ich kaum die Schule beendet hatte. So mußte ich noch als Knabe an seiner statt jeden Sonntag in Bezdedice spielen. Einen Sonntag spielte ich tschechischen Großmüttern und am anderen Sonntag für die deutschen Großmütter. Da ich wegen meines Knabenwuchses noch zu klein war um von der Orgel nach unten zum Pfarrer zu sehen ging mein Vater jeden Sonntag mit mir in die Kirche. Er verfolgte den  Verlauf der Messe und gab mir immer Zeichen wenn ich spielen und singen sollte und wann eine Pause für die Vorlesungen und die Predigt des Pfarrers vorgesehen war. Wir sangen auch bei Begräbnissen entweder tschechisch oder deutsch. Zur Pfarrgemeinde Bezdedice gehörten die Dörfer Brezovice, Viska und Nosalov. Das waren Gebiete wo tschechische und deutsche Nationalität gemischt war. Als junger Organist hieß das von Anfang an, viel zu  lernen. Es war nicht leicht jeden Sonntag ein anderes Lied zu spielen und nicht nur ein Lied! Mein Vater lernte mir vor Weihnachten die Weihnachtslieder. Erzbischof Pribyl verkündete von der Kanzel, daß am ersten Weihnachtsfeiertag die Weihnachtslieder gesungen werden. Schon eine Stunde vor der großen Weihnachtsmesse war zu sehen, daß aus allen Richtungen viele Menschen nach Bezdedice kamen. Die Kirche war ganz voll und die Weihnachtsmesse begann. Es war kein Wunder, daß ich als Junge schon Angst hatte. Ich fing an und die ganze Kirche stimmte mit ein. Bei so vielen Sängern merkte ich mit Schrecken, daß die Orgel zu schwach klang wie ich sie normalerweise spielte. Dann zog ich noch weitere Register und alles klang lauter und gut. Weihnachtslieder mit Orgelbegleitung sangen nun Urgroßvater mit Urgroßmutter, Großvater mit Großmutter, Vater mit Mutter, Kinder und Enkel, einfach alle. Der Erzbischof wandte sich vom Altar zum Chor – und ich weiß nicht, ob er nicht vielleicht auch mitsang. Überall wurde darüber gesprochen. Vielleicht erinnert sich noch jemand von den jungen Leuten, wie er – zu Weihnachten in der Kirche von Bezdedice mit Begleitung des jungen Organisten Weihnachtslieder sang.

In jenen Tagen sprach man oft unter Musikanten – und nicht nur unter Musikanten – über Herrn Havlicek aus Hlinoviste. Er hatte eine kleine Wirtschaft, und im Sommer hob er Baumstümpfe aus. Er war auch ein hervorragender Violoncello-Solist. Aus diesem Grunde wurde er im Jahre 1935 nach Prag eingeladen. Er war aber im Konzertsaal vor Beginn des Konzerts nicht zu finden. Man suchte in überall, auch in der Galerie – aber ohne Erfolg. Einer der Sucher bemerkte einen alten Herrn, der dort saß und fragte ihn ob er einen solchen Menschen gesehen habe. Dieser antwortete: „Und wen suchen Sie?“ Darauf der Suchende: „Den Meister, der Violoncello spielen soll.“ Und der alte Herr fragte: „Suchen Sie Havlicek?“ Der Sucher schrie erfreut: „Ich hab‘ ihn schon!“ Herr Havlicek war ländlich gekleidet, und kein Wunder daß er übersehen wurde. Er wurde gleich in einen Frack gekleidet, wie es sich für einen Konzertmeister gehört – und schon konnte begonnen werden. Herr Havlicek – schon fast ein Opa - spielte seinen Notenpart ausgezeichnet. Bei jeder 16-Takt-Pause griff er schnell in seine Tasche, zog ein rotes Taschentuch heraus und putzte sich die Nase. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte das Publikum den Eindruck, daß der Herr aus dem Dorf nicht gekommen sei und ein Ersatzmann würde spielen. Aber das Taschentuch brachte es an den Tag, daß dies wirklich der besagte Mann ist – ein gewöhnlicher, selbstgebildeter Dorfmensch, der in der Kunst dasselbe kann wie ein berühmter, mit Titeln bekränzter Mensch. Er erntete beim Publikum große Gunst und stürmischen Applaus.

 

Interessieren Sie sich,  werden wir das Kapitel " der jüngste Kapellmeister " auf deutsch für Sie weiter nachforschen und übersetzen  ...

Ihr Musikverlag Scherber-Team